Lehrreiches

Kimono der zweite und Schnee der erste

Hallo ihr lieben,
hoffe ihr seid bis jetzt gut durch den Winter gekommen?

Ich habe schon gehörig die Nase voll (nein nicht wegen Schnee oder so, den gibts sogut wie nie in Tokyo) – sondern von den Temperaturen! Vor allem IM Haus.
Dieser Tage haben wir auch gern mal 4℃ im Badezimmer, da kommt so richtig Freude auf, sich dann mit eiskaltem Wasser noch die Zähne und das Gesicht zu waschen.
Auch in den Zimmern wird es nicht richtig warm bzw. wenn man die Klimaanlage aus stellt, wirds sofort kalt. Und von meiner halb gefrorenen Nase beim schlafen, will ich gar nicht erst anfangen. Haha.

Aber genug gemeckert, denn es gibt auch gute Seiten am Winter.
Wie zum Beispiel: Man kann den Kimono tragen! Der ist genau passend für die Wintermonate und eigentlich vom Herbst bis Frühling ein schöner Begleiter.

Und da ich einige Kimonos habe und im Moment total darauf abfahre, habe ich letztens einen anderen Kimono aus meiner Sammlung gezogen und mich an das anziehen gemacht.
Das ankleiden dauert bei mir immer noch ziemlich lange und ist auch nicht perfekt, aber ich war stolz, dass ich es überhaupt irgendwie alleine hinbekommen habe.

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Erst das Unterkleid (heisst: Nagajuban 長襦袢)
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Und der “ich habs geschafft Selfie”:
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Dann habe ich mich auf nach Asakusa gemacht (was sich später als Fehler herausstellte..)
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Asakusa (浅草) ist wohl das berühmteste und touristischste Ziel in Tokyo, dank des riesigen Tempels und den noch Teils an Kyoto erinnernden Häusern.
Wenn man in Tokyo lebt, dann möchte man diesen Ort meist vermeiden (ist fast so wie als New Yorker zum Times Square zu gehen). Sprich: Total überlaufen, alles mit teuren Souvenirshops ausgestopft usw.

Ich bin aber trotzdem hin, weil ich für Fotos ein bisschen schöne Kulisse haben wollte.
Der Preis war, dass mich permanent (und vor allem) Chinesische Touristen angegafft haben, mich umzingelt und Fotos machten. Das war äusserst nervig und unangenehm.

Aber trotzdem habe ich in einem abgelegenen Fleckchen in Ruhe ein paar Bilder machen können.
So sieht also der Kimono aus, den ich an dem Tag zum ersten Mal getragen habe:

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Für Interessenten: Der Obi nennt sich “Nagoya-Obi” (名古屋帯) und wird so gebunden, dass hinten so eine Große Fläche entsteht (nennt sich o-Taiko, wie die Trommel) wo meist ein schönes Muster oder Bild zu sehen ist. Sobald man verheiratet ist, ist der Nagoya-obi und diese Bindeweise angebracht. Schleifen etc. sind für unverheiratete und Kinder.

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Das Wetter an dem Tag war auch nicht DER Traum, aber immerhin war es trocken.
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Und weil ich Lust hatte, habe ich den Spieß einfach mal umgedreht und ein Foto mit einem Taiwenesen gemacht, der wie auf einer Hochzeit gekleidet war.
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Ein paar Tage später hatten wir dann endlich mal ein wenig Schnee. Der erste Schnee in 2015!
Wie ich schon sagte kommt in Tokyo oft nicht viel runter bzw. taut der Flaum immer sehr schnell weg.
Dieses Mal war ein klein bisschen mehr Schnee zu sehen und das mussten wir natürlich feiern.

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Eine einzige!! Pflaumenblüte habe ich auch am Baum entdeckt. Nur eine!
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Zur Zelebrierung haben wir erst eine kleine Schneefrosch-Familie gebaut und vor den Schrein gesetzt und dann eine Schneeballschlacht gemacht.
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Wie siehts bei euch aus? Hattet ihr schon ordentlich Schnee?
Wenn ja, mögt ihr Schnee oder habt ihr schon genug?

Ich bin immer ganz Schnee-verrückt, aber ich mag nicht dieses gematsche. Entweder es schneit richtig dicke oder es soll ganz wegbleiben.
Am Nachmittag/Abend war hier schon fast alles wieder weggetaut. Ein kurzer Spaß..

Setsubun

Am Sonntag, den 3. Februar 2013 war wieder einmal 節分 (Setsubun).

Vor einem Jahr hatte ich ja bereits schon einmal darüber geschrieben. Und dieses Jahr habe ich einmal das volle Programm bei meinen Schwiegereltern mitgemacht.

Am Abend haben wir also begonnen 恵方巻(Ehomaki) zu machen. Das sind Reisrollen, ähnlich der, die ihr sicherlich schon vom Sushimann um die Ecke kennt – Aber mit Zutaten gespickt, über die der Sushi Chef nur verbost den Kopf schütteln würde.
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Je nach Jahr ändert sich die “Glücksverheißende Himmelsrichtung” (恵方 – ehou). Dieses Jahr ist es Südsüdost (南南東 -nannantou). Laut einem aus Osaka stammenden Brauch soll, wenn man die Ehomaki in die Glücksrichtung zeigend an einem Stück und ohne zu sprechen isst, die dort in sich hineingesagten Wünsche erfüllt werden.
Mein Schwiegerpapa hat gequatscht..
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Zum Abendessen gab es natürlich auch noch mehr zu essen.
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Um 19 Uhr sind mein Mann und ich dann schnell zum nahegelegenen Schrein gehuscht, um bei der Zeremonie dabei zu sein.
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Nachdem der Shinto Priester fertig war, wurden wir mit gerösteten Bohnen beworfen. Das nennt sich 豆まき (mamemaki) und ist eine der Traditionen. (Dazu später aber noch mehr.)
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Auch Mandarinen wurden noch an alle Besucher ausgegeben. Ich fühlte mich fast wie bei der Wohlfahrt.
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Als alle freien Gaben ausgeschöpft waren, versammelten sich die Besucher um einen großen Haufen weggeworfener Gegenstände. Viel mehr war es ein Berg aus Neujahrsdeko (Kieferzweige, Bambus etc.) der nun rituell verbrannt werden sollte. Auch ein Daruma saß auf dem Berg oben auf. Ich fragte mich, welches Ziel sein Besitzer erreicht hat..
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Der Priester verbeugte sich etwa 20 Mal und murmelte etwas unverständlich vor sich hin, seine Gehilfin vollzog ein weiteres Ritual der Reinigung (schätze ich mal, denn mein Mann hat wie so viele Japaner keine Ahnung was da vor sich geht).
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Nachdem alle Rituale vollzogen waren, wurde alles angezündet und die Musik fing an zu spielen. Hinter uns stand eine kleine Bühne auf der traditionelle Musik gespielt wurde – begleitet von Tanz mit Masken und Süßigkeiten für die Kinder.
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Also ich finde die Masken immer irgendwie gruselig. Das die Kinder dar nervlich aushalten ist enorm..

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Zuhause haben wir dann auch noch Mamemaki gemacht: Die Haustür aufgerissen, aus voller Kehle “Oni ha soto!” (Dämonen hinaus!) gerufen und Bohnen nach draussen geworfen – Gefolgt von “Fuku ha uchi!” (Glück herein!), um endlich mal ganz rebellenhaft Essen im Haus herumzuwerfen.

Damit hätten wir also alle Weichen für dieses Jahr gestellt. Jetzt muss das Glück nur noch kommen!

Schneegestöber

Heute Morgen traute ich kaum meinen Augen kaum, als ich aus dem Fenster spähte.
Schnee!
Und zwar der erste diesen Winter!

Der Frühstückseinkauf war eine prima Gelegenheit, um sich die doch in Tokyo eher seltene weisse Kristallmaterie mal von der Nähe anzuschauen.
Wirklich traumhaft alles in einer anderen Farbe zu sehen.

Am Nachmittag wollte ich eigentlich nur ein Foto vom Balkon machen, entschied mich dann aber für noch einen Spaziergang, denn – wer weiss wann man nochmal die Gelegenheit hat, soviel Schnee zu sehen.. Draussen war ich erst einmal richtig von den Socken! So viel Schnee habe ich noch nie in Tokyo gesehen!!
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Sehr zum Leidwesen für die Autofahrer, da hier in der Regel keine Winterreifen nötig sind. Generell scheinen Tokyoter keine Ahnung zu haben, wie man sich durch Schnee bewegt und (ver)fallen sofort in Panik oder auf den Hintern.
In diesem Bild versuchten die Autos sich fortzubewegen, was sich als schwierig erwies. Halb festgefahren, wurde das Auto vier mal vor- und zurückgesetzt, bevor mit durchdrehenden Reifen langsam die Strasse entlang gerutscht wurde.
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Ich hätte mich am liebsten mit einer Tüte Popcorn an den Strassenrand gesetzt. (Wer braucht schon Fernsehen?!)
Generell bin ich jedes Mal wieder erstaunt, wie die Stadt im Chaos versinkt, wenn einmal nicht alles nach Plan verläuft. So ein hochtechnisiertes Land, aber wenn in Tokyo eine Schneeflocke auf die Windschutzscheibe eines Zuges fällt, dann muss sofort die ganze Linie gesperrt werden. Da werden Schneeketten an den Corolla angelegt und keine Pizzen können mehr ausgeliefert werden. Total verrückt!

Da ein Feiertag war, machte ich mich also mit den Fröschen im Gepäck zu einem nahegelegenen Schrein. Hier war es ruhig. Der Schnee ohne Spuren. Mein Schirm wurde immer schwerer unter der Last der Schneedecke. Ich schüttelte ihn herunter und lauschte dem rieseln der Himmelskristalle.
Ein unbeschreibliches Gefühl. Ich wollte die Welt anhalten.
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Mit jedem Schritt sanken meine Füsse tief in die knirschende Decke.
Am liebsten hätte ich mich einfach nur fallen gelassen.
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Ich befand mich in einer verträumten Welt. Keine Sorgen. Alles dunkle und jeder Schmutz mit frischem weiss bedeckt.
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Die Frösche kletterten aus meiner Tasche und wanderten Umher..
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Nach einiger Zeit spürte ich meine Hände nicht mehr und bereute, ohne Handschuhe losgelaufen zu sein. Auf der anderen Seite – wie soll man mit denen eine Kamera bedienen?

Der Rückweg führte mich in die Realität zurück. Auch ich muss morgen früh wieder zur Arbeit. Die Tage bis zum nächsten Wochenende, Monatsende zählen.

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Sogar die Elektroleitungen wurden nicht vom Schnee verschont.
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Manchmal möchte man sich einfach fallen lassen und die täglichen Lasten des modernen Lebens abschütteln und vergraben. Die Frösche haben es mir schon vorgemacht. Das nächste Mal schmeiss ich mich wirklich einfach in den Schnee! Ohne nachzudenken!

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Fahrradflickservice

Da habe ich letztens nicht schlecht gestaunt, als auf einmal ein kleiner Lieferwagen vor mir anhielt und der Fahrer sogleich verschwand, um mit einem Fahhrad zurückzukommen.

Nachdem er die Heckklappe geöffnet hatte und anfing den Schlauch des Fahrradreifens von der Felge zu rupfen, ging mir endlich ein Licht auf.

Scheinbar gibt es in Japan einen Service, der Fahrradfahrern in dem Falle eines technischen Versagens des Drahtesels zur Hilfe eilt.
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Ist ja auch ganz klar: In Tokyo kann man nicht einfach mal sein Fahrrad in der Bahn oder im Bus mitnehmen, wenn man mal eine Panne oder keine Lust mehr auf strampeln hat. Da würden die Hamburger aber aufschreien!
Nach Hause laufen geht meist auch schlecht, denn Tokyo ist so weitläufig, dass man da im Extremfall einen ganzen Tag gehen müsste.
Stattdessen kann man also den netten älteren Herren hier rufen.
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Die Telefonnummer endet auf 119. Das ist die selbe Zahlenkombination wie für den Notruf.
Na dann, gute Fahrt!

Alltägliche Frustrationen

**Vorsicht! Dieser Post könnte leicht negative Gedankengänge hervorbringen!!**

Nachdem ihr diese Warnung gekonnt ignoriert habt, werdet ihr nun ein paar wütende Zeilen über die Schattenseiten des in-Japan-lebens lesen.

Die Frustration ist gestern so ein bisschen bei mir herausgeplatzt, als ich mich morgens ins Krankenhaus begeben habe. Nein, nichts lebensbedrohliches – ich habe nur seit 2 Monaten eine Erkältung. Weil ich dadurch extrem geschwächt war und mir die ständig laufende Nase langsam zur Last wurde, habe ich mich endlich mal zum Arzt geschleppt.

Natürlich habe ich auch einen kleineren Hausarzt bei mir in der Strasse, aber da habe ich mich letztes Mal schon aufregen müssen, weil der mich nicht ordentlich durchgecheckt hat. Da nimmt man sich extra frei und schleppt sich todkrank zum Arzt und da wird einem nur einmal halbherzig ins Gesicht geguckt und eine Diagnose um die Ohren gehauen. Das ganze kostet dann ordentlich – plus die 5 verschiedenen Sorten bunter Tabletten. In Japan wird nämlich an Medikamenten nicht gespart. Da bekommt man für eine kleine Erkältung auch gerne mal Antibiotika verschrieben..

Aber das ist eine andere Geschichte. Dieses mal wollte ich also ordentlich diagnostiziert werden und habe mich selbst beim Hals-Nasen-Ohrenarzt vorstellig gemacht. Am Empfang des Krankenhauses ging der Zettel-Ausfüll-Wahn wieder los. Man wird nämlich in Japan beim Krankenhaus registriert und bekommt eine Mitglieds-Plastikkarte. Nachdem ich meine Adresse in krakeligen Kanjis auf dem Formular hinterlassen hatte, durfte ich die Treppe hinauf zur HNO-Abteilung gehen.

Dort wurde mir am Schalter ein neues Formular ausgehändigt, in dem ich meine Beschwerden und Unverträglichkeiten etc. niederschreiben musste. (Teilweise wie ein Kind, denn ich schreibe immer nur Japanisch mit dem Handy oder PC und kann kaum noch welche mit der Hand schreiben.. Also musste das Grundschul-Hiragana für einige Worte herhalten..)

Eine weitere Unbequemlichkeit in Japan ist, dass man nie Termine machen kann beim Arzt bzw. im Krankenhaus. Es geht immer stur nach der Regel “First come first serve” und so saß ich da zwischen den alten Leuten, auf den Vorhang im Untersuchungszimmer starrend.

もう少々お待ち下さい。

Nach über einer Stunde wurde ich schließlich aufgerufen. Nach einem kurzen Gespräch und dem versenken von (gefühlten) 1m langen Stäben in meiner Nase wurden meine schlimmsten Befürchtungen halbwegs bestätigt – ALLERGIE!

Ein Wort, welches ich niemals in meinem Leben in einem Satz mit meinem Namen zusammen hören wollte. Viele Zeichen deuten darauf hin, dass ich mich von nun an mein ganzes Leben mit Heuschnupfen, Hausstauballergie o.ä. herumquälen muss. Oben drauf kann es aber sein, dass ich auch noch erkältet bin..

Dass ich auf extreme Mengen Staub, wie z.B. beim Saubermachen allergisch mit Niesattacken und Wasserfall-Nase reagiere weiss ich schon. Aber bis jetzt hatte ich nie Probleme draussen und drinnen unter normalen Bedingungen.

Um aber wirklich sicherzugehen wurde ich dann zum Blutabnehmen geschickt. Also mit meinem Laufzettel wieder das Treppchen runter um 3 Kanülen Blut abzapfen zu lassen. Das gefällt mir immer sehr dabei zuzusehen. Die dicke Nadel habe ich nicht mal gespürt.

Weiter ging es zur Kasse, wo ich die heutigen Leistungen bezahlen und mein Rezept für Anti-Allergie-Pillen erhalten sollte. Natürlich bin ich voll versichert und zahle jeden Monat brav in meine Krankenkasse ein. Trotzdem bereitete ich mich gemäß Erfahrungswerten auf einen höheren Selbstanteil als in Deutschland vor. Als mir dann der Taschenrechner mit der gewünschten Summe vor die Nase gehalten wurde, wollte ich fast Ohnmächtig werden: 8.340 JPY!! Das entspricht rund 80€!

Ich muss natürlich zugeben, dass ich als Deutsche Person vielleicht zu sehr mit einem freundlichen und gut funktionierendem System verhätschelt wurde. Trotzdem war ich so wütend! Ich musste erstmal durch den Regen zur nächsten Bank laufen, da ich nicht so viel Geld mitgenommen hatte. 80€!! Was ich mir dafür alles schönes kaufen könnte! Und die gucken mir nur 2 Minuten in die Nase und zapfen ein bisschen Blut ab??

Ich war so sauer, ich wollte am liebsten aus der Krankenkasse austreten! Ich meine ich quäle mich jeden Tag mit meiner stressigen Arbeit ab, werde dafür auch noch schlecht bezahlt und muss ein Vermögen bezahlen, wenn ich einmal zum Arzt gehe?!

Dazu kam ja auch noch, dass ich nochmals zur Apotheke gehen, abermals einen Fragebogen ausfüllen und auf mein Medikament warten musste. Die paar Pillen haben dann nochmal 1.000 JPY gekostet (10€). So kommen wir in der Gesamtrechnung auf fast 100€ für das Krankenhaus.

Und weil das alles noch nicht genug ist. werden mir von der Firma die Stunden, die ich gefehlt habe, von dem Lohn abgezogen. Somit wäre ich dann bei 140€ Verlust für einmal zum Arzt gehen. Was für ein traumhaftes System!!

Keine Krankschreibung trotz kaum vorhandenem Jahresurlaub. Ursummen beim Arzt trotz Vollversicherung.

JAPAN! Das Land, in dem man sich davor fürchten muss, krank zu werden!

 

PS: Die Testergebnisse werde ich an einem Samstag Morgen abholen.

Und Morgen muss ich mein Visum bei der Ausländerbehörde abholen. Ich freue mich schon auf die weiteren Abzüge auf meinem Lohnzettel..

Kawagoe – Die Schönheit auf dem Lande

Vor 2 Wochen ca. waren wir seit langem mal wieder in Kawagoe (川越市), einer kleinen Stadt in Saitama. Dort war ich zwar schon ein- bis zweimal, aber noch nicht, seit ich in Japan wohne.

Ganz einfach gelangt man dort mit der Seibu-Ikebukuro Line hin. Andere Möglichkeiten gibt es aber auch:

In der Edo-Zeit diente Kawagoe als Drehkreuz von Nahrungsmitteln aus umliegenden Regionen und auch die Süßkartoffeln aus der Gegend waren in Edo (heute Tokyo) der Renner. Daher wurde Kawagoe früher als “Küche Edo’s” bezeichnet. Über Kanäle wurden die Waren mit Schiffen nach Edo transportiert und verkauft.

Heute nehme ich euch mal virtuell an die Hand und gebe euch ein paar Eindrücke. Da es nah an Tokyo gelegen ist, kann man auch locker einen Tagestrip dorthin unternehmen, wenn man auf Durchreise ist.

Wenn man vom Bahnhof aus kommt, muss man leider erst durch eher zerfallene unschöne Straßen laufen, um in den traditionellen und gepflegten Teil der Stadt zu gelangen. Mit heruntergekommen meine ich so etwas hier:
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Die historischen Gebäude konzentrieren sich mehr oder weniger auf 2-3 Straßen, alles ist daher aber auch umso intensiver.

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Als erstes schlenderten wir an einem kleinen Schrein vorbei. Vor diesem gab es eine Gedenkstätte für Kinder. Sehr bedrückend.
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Auf dem selben Gelände hatte es wohl einen Flohmarkt gegeben. Das meiste war leider schon eingepackt. Dieser Kollege jedenfalls nicht:
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Ein dressierter Papagei, der auf Kommando einige Tricks konnte. Seine Spezialität war das tot umfallen. Dazu muss man nur eine Handbewegung ausführen – nämlich mit der Hand eine Pistole formen. (Sorry, ich wusste von dem Trick vorher nichts und hab in letzter Sekunde ganz schnell abdrücken müssen, um überhaupt ein Foto zu haben, daher ist die Hand nicht komplett im Bild)
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Und als Resultat hier ein überbelichteter toter Vogel:
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Schluss jetzt mit dem Quatsch! Kommen wir nun zu den echten Schmuckstücken Kawagoe’s:
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Eigentlich gehört Hello Kitty da auch nicht zu, aber was soll’s..
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An der Hauptstrasse gibt es viele traditionelle Läden, welche Geschirr noch von Hand machen, traditionelle Speisen/Süßigkeiten servieren etc. Für Kawagoe berühmt ist wie schon erwähnt die Süßkartoffel und auch dort gebrautes Bier (coedo). Ausserdem ist eine kleine Seitenstraße berühmt für Süßwaren und Snack Läden.
Hier aber mal eine Auswahl an Ablagen für die Stäbchen:
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Im Hinterhof habe ich einen Brennofen für das Geschirr entdeckt.
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Noch ein Stückchen weiter habe ich diese gruselige Statue vor einem Tempel gefunden. Wenn sich da nicht mal jemand im religiösen Wahn zu Tode hungert..
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Ich finde es irgendwie beängstigend.

Eine kleine Tür zwischen den Häusern mit Mistelzweigen dekoriert. Diese sollen Dämonen/Teufel abhalten in das Haus zu kommen.
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In Handarbeit gefertigte Messer.
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Der berühmte und heute noch erhaltene Turm in Kawagoe (時の鐘 – toki no kane) ist ein Glockenturm, den mehrmals täglich jemand besteigen musste um die Glocke zu läuten:

Morgens um 9 Uhr, Mittags um 12, Nachmittags um 15 Uhr und Abends um 18 Uhr. (Vielleicht zum Frühstück, Mittag, Kaffee und Abendessen?)

Leider ist der ursprünglich noch ältere Turm (vor 400 Jahren erbaut) dem großen Feuer in Kawagoe zum Opfer gefallen. Der Turm, den wir heute sehen, wurde im Jahre 1894 erbaut.
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Fast unmittelbar daneben ein weiteres kleines Schätzchen aus der alten Zeit: Ein Automat, an dem man Milch in Glasfläschchen kaufen kann.
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Auch in Kawagoe werden diese schönen Schirme angeboten, die im trockenen Zustand einfarbig sind, bei Regen jedoch Muster entfalten. Wie emsig die Verkäufer immer wieder diese Plastikpilze bewässern ist lustig anzusehen.
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In der Süßwarenstraße werden lange Stangen verkauft, welche einem leicht verkohlten Baguette ähneln. Auf Nachfrage beim Lebensgefährten wurde mir vermittelt, dass diese Dinger Fugashi (ふ菓子) heissen und aus Gluten bestehen. (Daher auch der Name: ofu = Gluten, okashi = Süßwaren / das ganze dann ohne das höflichkeits-“O” und fertig!)
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Ein Stück Deutschland findet man aber trotzdem immer irgendwo..
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Und geschickte Schleichwerbung wie in diesem Fall:
DSC08612「パンダの前はパン屋だ!」(Panda no mae ha panya da!) Vor dem Panda gibt es eine Bäckerei. Der Witz hierbei wirkt nur im japanischen mit “Panda” und “Panya (Bäckerei) da”. Drehte man sich um, war da wirklich eine Bäckerei auf der anderen Strassenseite.

Schnuckelige Sitzgelegenheit:
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Am Ende des Tages habe ich noch ein nettes Geschäft entdeckt! (Seht ihr auch die Coedo Bier Werbung?)
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Ich muss zugeben, die Schweinchen auf dem Dach haben mich motiviert, mir den Laden mal von drinnen anzusehen..
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Und siehe da. Fleisch in vertrauter Aufmachung. Das habe ich doch schon irgendwo einmal gesehen?!
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Ah ja! Das kommt mir auch ein wenig bekannt vor!!!
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Sind wir also hier über einen Deutschen Wurst-/Fleischwarenladen gestolpert.
Dann mal eine Wurst zum mitnehmen! (Natürlich nur für euch werte Leser, aus hochwissenschaftlichen Recherchezwecken!)
DSC08618IM LAUENBRÖTCHEN!! IN JAPAN! Ich werd verrückt!
Nach einigen herzhaften abwechselnden Bissen von meiner Wenigkeit und dem Mann, hier das Fazit: Die Wurst würzig und lecker, das Laugenbrötchen leider etwas weich, aber trotzdem lecker.
Für Deutsche in Japan, die auch mal beim Wurstessen ein paar Nostalgietränchen wegdrücken möchten ist dieser Laden auf jeden Fall eine Empfehlung!
Und wenn sogar die Mülleimer große Sauerkrautkonserven sind…
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Auf dem Rückweg blieben meine Stielaugen dann an diesem freakigen Japanischen Geschöpf hängen.
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Dieser Erdenbürger schien sie nicht mehr ganz alle beisammen zu haben, denn er stakste auf diesen sehr interessanten Geta (Holzsandalen) vor dem Alkoholistika-Geschäft herum. Immer wieder pustete er seine Windmühle an..
DSC08622Huiuiuiui…

 

Die Sonne senkte sich langsam gen Erdoberfläche.
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Bis zum nächsten Mal, Kawagoe!

Ein Spaziergang durch das Feuerbeet

Hallo ihr lieben. Ich möchte nicht jeden Eintrag damit anfangen, warum ich so lange nicht gebloggt habe. Ich wollte, hatte aber meinen PC für ein paar Tage nicht dabei – und dafür entschuldige ich mich heute mal nicht.

Warum auch, wenn ich dafür umso tollere Bilder von meinem Wochenende präsentieren kann? Da hat sich die Warterei ja fast gelohnt. (Na das wollen wir doch erst mal sehen!) Ruhe jetzt! Und Augen auf!

Am Samstag ist meine bessere Hälfte mit mir vom Hause der Schwiegereltern aus, in ein träumerisches Blumenland gefahren.

Nämlich zum 巾着田 (kinchakuda) in der Saitama Präfektur, nahe der Station 高麗 (Koma).

Dazu nimmt man entweder die Seibu-Ikebukuro Line von 池袋 (Ikebukuro) aus Richtung 飯能 (Hannou) und steigt dort um, oder man nimmt JR Züge über 大宮 (Omiya) oder 川越 (Kawagoe).

In 高麗 (Koma) angekommen begrüsste uns die Sonne und diese zwei Burschen:
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Da wir nicht wirklich wussten, wo sich das Ziel befand, liefen wir einfach dem Menschenstrom hinterher und wurden so durch kleine Straßen der Anwohner geleitet. Die Bauern hatten sich den Besucherstrom alsgleich zu Nutze gemacht und priesen ihre Waren an.
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Alles fühlte sich so herbstlich an..
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Und wie so oft hatte ich ein spitzen Timing, ohne es zu wissen! Keine Sekunde früher hätte ich sein dürfen, denn sonst wäre mir diese wundervolle Begegnung entgangen:
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Eine Gottesanbeterin! So wunderhübsch!
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An den Ständen wurden sogar Seerosen zum Verkauf angeboten.
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Nach einer Weile gelangten wir an einen kleinen Fluss. Schon dort war der Weg mit der wundervollen 彼岸花 (higanbana – red spider lily) gesäumt – dem Star des heutigen Eintrages.
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Da diese Blumenfelder sehr beliebt sind in Japan, wird natürlich auch abkassiert. 250 JPY pro Person. Aber es lohnte sich:
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Ein ganz paar weiße Higanbana konnte man auch entdecken.
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Am Fluss ging es künstlerisch zu. Vor allem die Tracht des Malers fand ich sehr originell, sodass ich mich zu den fotografierenden Omis stellte.
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Scheinbar können diese Blumen fast überall wachsen. Wirklich erstaunlich..
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Von oben gesehen – fast wie ein Feuerwerk. Ein Feuerwerk der Natur.
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Und auf dem Rückweg musste ich dann noch ein wenig meine kindlichen Züge ausleben und auf Bäume klettern..DSC08499

Im Grunde hat die 彼岸花 (higanbana) einen eher schlechten Ruf. In Japan wird sie vor allem als Grabblume genutzt und mit dem Tod in Verbindung gebracht. 彼岸 (higan) bedeutet “die andere Seite des Flusses”, womit indirekt der 三途の川 (Sanzu Fluss) gemeint ist. Laut Buddhistischem Glauben, überquert man diesen Fluss beim Tod und lebt dann mit den anderen Verstorbenen auf der anderen Seite eben dieses Flusses, bis man wiedergeboren wird. Angeblich soll dieser Fluss irgendwo im 恐山 (Osore Berg – osore bedeutet “Furcht”) sein, gesehen haben ihn natürlich nur diejenigen, die ihn überquerten (oder fast überquerten). Der Berg gilt als Eingang in die Buddhistische Unterwelt. Jährlich treffen sich hier Schamane, mithilfe denen man angeblich den Kontakt zu den Toten aufnehmen kann..

Ganz gruselige Geschichte. Ich habe mal über den Fluss und generell Glauben und Religion in Japan mit meiner Schwiegermama diskutiert.

Was den Fluss angeht: Falls einige von euch Buddhisten sind – auf der anderen Seite nicht das Wasser trinken, was euch angeboten wird. Ihr werdet dort eine unglaublich quälende trockene Kehle haben, aber wenn ihr das Wasser ablehnt und einige Tage durchhaltet, sollt ihr euch nach der Wiedergeburt angeblich an das vorherige Leben erinnern können. Das Wasser löscht also euer Gedächtnis.

Ich habe natürlich meine eigene Meinung, aber es ist immer wieder interessant andere Geschichten zu hören.

Und sind die Blumen nicht einfach wundervoll? Für mich sehen die nach Tod nicht aus..

Japaner sind auch nicht viel besser… oder?

Ich rede natürlich nicht von allen. Und ausserdem sind sie doch etwas besser, aber ich hätte lieber gehabt, dass die Leute hier die Füße still halten und die Chinesen als alleinige Idioten dastehen liessen.

Stattdessen bin ich am Samstag in eine kleine Demonstration gelaufen. Naja, eigentlich ist die Gruppe der Demonstranten herumgelaufen. In Ikebukuro. Ich war gleich komplett aus dem Häuschen, da ich meine gute Kamera zufällig dabei hatte und endlich mal wie ein wichtiger Journalist um die Gruppe herumlaufen und Fotos schiessen konnte. Mein Mann durfte dafür die Handtasche tragen, bis ich genug hatte.

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Hier kann man sogar noch was lernen: 支那人 (shinajin = Chinese) ist eine alte und heutzutage eher unhöfliche Schreibweise für 中国人 (chuugokujinn = Chinese). Hier in einer eher unangebrachten Parole genutzt: 支那人死ね (Stirb, Chinese).

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Das Englische könnt ihr glaube ich selbst lesen…

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DSC08347Alle paar Meter wurden anheizende Parolen in das Megafon gegrölt. (Muss das denn immer so laut?!)

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Nun ich bin auch nicht gerade der Beste Freund Chinas – trotzdem hätte ich mir gewünscht, dass die Leute in Japan einfach nichts gemacht und die Chinesen einfach weiter ihr Land zertrümmern liessen. Naja, so sind die Menschen nun mal.
Und ich muss sagen, ich kann in vielen Lebenslagen auch einfach meine Klappe nicht halten, obwohl ich weiss dass es oft besser wäre..